
Die Evangelische Kirchengemeinde und der Förderverein Jugendstilkirchsaal Nordend e.V. laden auch im Jahre 2012 zu „Sonntagsvorlesungen in Nordend“ ein. In diesen Vorlesungen behandeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in allgemein verständlicher Weise Themen aus ihrer Forschung. Im Jahre 2012 sind es Themen, die alle dem Verständnis des christlichen Glaubens gelten. Eine kunstgeschichtliche Vorlesung wird das christliche Verständnis der Trinität anschaulich machen. Zwei Vorlesungen gelten fundamentalen Fragen, die sich allen stellen, die an Gott glauben. Eine Besinnung auf das Verhältnis zwischen der Kirche und dem Judentum wird die diesjährige Vorlesungsreihe beschließen.
Die Vorlesungen finden von Januar bis April 2012, jeweils von 11.15 bis 12.15 Uhr statt.
Ort: Gemeindesaal der Kirchengemeinde Berlin-Nordend, Schönhauser Straße 32 / Kirchstraße, 13158 Berlin.
Fahrverbindungen: Tram M 1 Schillerstraße bis Nordend oder Bus 124 bis Schönhauser Str. / Kirchstraße.
Der Gemeindegottesdienst wird von 10 bis 11 Uhr gefeiert.
Der Eintritt ist frei – um Spenden für die Restauration der Dinse-Orgel im Jugendstilkirchsaal wird jedoch herzlich gebeten.
JANUAR
Sonntag, 29. Januar 2012, 11.15 Uhr
Prof. Dr. Gerlinde Strohmaier-Wiederanders, Berlin
Der tote Christus im Leben des dreieinigen Gottes
Das Motiv des „Gnadenstuhls“ in der Kunstgeschichte
In jedem Gottesdienst bekennt sich die christliche Gemeinde zu Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist. Aber immer wieder wird die Frage gestellt, wie man sich den dreieinigen Gott konkret vorstellen kann. Die mittelalterliche Kunst hat darauf anschaulich geantwortet. Sie stellte den dreieinigen Gott mit dem Motiv des „Gnadenstuhls“ dar: Der Vater sitzt auf der Bundeslade und hält den toten Christus in seinen Armen. Die Vorlesung der Professorin für kirchliche Kunst zeigt an Hand von Beispielen, welches Verständnis des dreieinigen Gottes hier zum Ausdruck kommt.
FEBRUAR
Sonntag, 26. Februar 2012, 11.15 Uhr
Prof. Dr. Christof Gestrich, Berlin
Seele und Tod
Was bleibt von uns, was wird aus uns?
Es soll nicht um leichtfertige Spekulationen über den Tod hinaus gehen. Aber heute hat sich der falsche Eindruck verbreitet, es gebe überhaupt keine Seele, und wenn doch, sei sie ein sterbliches Gehirnphänomen. Auch die Theologie hat in den letzten Jahrzehnten zu diesem Themenkreis oft geschwiegen. Viele Menschen suchen darum bei anderen Religionen Zuflucht. Der Professor für systematische Theologie ist der Ansicht: Wir müssen jetzt dringend die Seele des Menschen und die ‚letzten Dinge’ auf christliche Weise miteinander ins Gespräch bringen.
MÄRZ
Sonntag, den 25. März 2012, 11.15 Uhr
Prof. D. Dr. Wolf Krötke, Berlin
Der gute Schöpfer und das Leiden der Geschöpfe
Orientierungen in der „Theodizeefrage“
„Theodizee“ heißt „Rechtfertigung Gottes“. Die „Theodizeefrage“ versucht, Gott mit Argumenten dafür zu rechtfertigen, dass er in seiner Schöpfung das Böse und das Leiden seiner Geschöpfe nicht verhindert. Die Vorlesung fragt, ob diese Argumente stichhaltig sind. Sie zeigt einen Weg, auf dem Christinnen und Christen am Glauben an Gott trotz des Leidens in der Welt festhalten können. Mehr noch: Sie zeigt, wie Gott uns für den Widerstand gegen das Leiden in Anspruch nimmt.
APRIL
Sonntag, den 22. April 2012, 11.15 Uhr
Prof. Dr. Markus Witte, Humboldt-Universität Berlin
Die Kirche und das Judentum
Beziehungen - Probleme - Perspektiven
Der christliche Glaube wurzelt im Judentum. Er hat seine Überzeugungen in Aufnahme und Abgrenzung von jüdischen Vorstellungen entwickelt. Dabei ist es auch zu einem christlich motivierten Antijudaismus gekommen. Er hat sich in zahllosen Pogromen niedergeschlagen. Die Beziehungen zwischen Judentum und Christentum sind daher einerseits vom Bewusstsein tiefer Verwandtschaft bestimmt. Andererseits sind sie von der Schuld belastet, welche die Kirche auf sich geladen hat. Der Leiter des Instituts „Kirche und Judentum“ wird christlich-jüdische Gemeinsamkeiten und Unterschiede beleuchten. Er wird Orientierungspunkte für den christlich-jüdischen Dialog aufweisen.