
Die Evangelische Kirchengemeinde und der Förderverein Jugendstilkirchsaal Nordend e.V. laden auch im Jahre 2011 zu „Sonntagsvorlesungen in Nordend“ ein. In diesen Vorlesungen behandeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in allgemein verständlicher Weise Themen aus ihrer Forschung. In diesem Jahre werden das Theologen tun, die sich auf ganz unterschiedlichen Gebieten den Herausforderungen des Christseins in unserer Zeit stellen. Dazu gehört das Gespräch mit den Naturwissenschaften ebenso wie die Selbstverständigung der Christenheit über die Bedeutung der Taufe. Dazu gehört die Hochschätzung neuer Kirchenlieder gleicherweise wie das christliche Verständnis des Sonntags am „Tag der Arbeit“.
Die Vorlesungen finden von Januar bis Mai 2011, jeweils von 11.15 bis 12.15 Uhr statt.
Ort: Gemeindesaal der Kirchengemeinde Berlin-Nordend, Schönhauser Straße 32 / Kirchstraße (13158 Berlin).
Fahrverbindungen: Tram M 1 Schillerstraße bis Nordend oder Bus 124 bis Schönhauser Str. / Kirchstraße.
Der Gemeindegottesdienst wird von 10.00 bis 11.00 Uhr gefeiert.
Der Eintritt ist frei – um Spenden für die Restauration der Dinse-Orgel im Jugendstilkirchsaal wird jedoch herzlich gebeten.

Sonntag, den 30. Januar 2011, um 11.15 Uhr
Verantwortung und Schuld als Merkmale der Menschlichkeit von Menschen
Die deutschen Gehirnforscher haben in einem „Manifest“ in Aussicht gestellt, dass ihre Forschungen unser „Menschenbild“ nachhaltig verändern werden. Nicht unser „freier Wille“, sondern unser Gehirn entscheide über unser Tun und Lassen. Einige Forscher haben aus dieser Theorie den Schluss gezogen, dass wir als Personen für unser Tun nicht verantwortlich gemacht werden können. Sie fordern deshalb eine Revision des Strafrechts, das auf dem Prinzip persönlicher Verantwortung und Schuld beruht. Der international renommierte, katholische Ethiker Ludger Honnefelder setzt sich mit dieser Forderung auseinander.

Sonntag, den 27. Februar 2011, um 11.15 Uhr
„Wie kann Wasser solche großen Dinge tun?“
Der Sinn des "Jahres der Taufe"
Die Evangelische Kirche in Deutschland hat im Rahmen der „Reformationsdekade“ das Jahr 2011 zum „Jahr der Taufe“ erklärt. Kirchen und Gemeinden sind aufgerufen, die Bedeutung der Taufe für das christliche Leben mit besonderen Gottesdiensten und einfallsreichen Veranstaltungen sowie „events“ ins Bewusstsein zu rufen. Die Vorlesung leistet dazu einerseits einen Beitrag, indem sie vom Neuen Testament her das Wesen der Taufe erklärt. Andererseits aber stellt sie auch kritische Fragen an die Taufpraxis in den Gemeinden. Dabei steht vor allem der Brauch der Kindertaufe auf dem Prüfstand.

Sonntag, den 27. März 2011, um 11.15 Uhr
Geistliche Lieder aus benachbarten Sprachen. Entdecken – Verstehen – Übertragen
Von Jürgen Henkys nachgedichtete Kirchenlieder aus anderen Ländern haben heute einen festen Platz im Liederschatz unserer Kirchen und Gemeinden. In Form eines Werkstattberichts gibt der weltweit bekannte Berliner Hymnologe Einblick in die Probleme, die bei der Übertragung eines Liedes in eine andere Sprache bewältigt werden müssen. Das Entdecken der poetischen Kraft eines Liedes, das Verstehen seiner theologischen Absicht und schließlich das Gestalten eines Kunstwerks mit geistlicher Tiefe sind die größten Herausforderungen, die sich dabei stellen.

Sonntag, den 01. Mai 2011, um 11.15 Uhr
„Tag der Arbeit“ am Sonntag. Bemerkungen zu einem paradoxen Zusammentreffen.
Der „Tag der Arbeit“ am 1. Mai ist nicht wie der Sonntag ein Tag der Arbeitsruhe. An ihm fordern arbeitende Menschen vielmehr ihre Rechte ein. Sie sind für ihre Arbeit aktiv. Am Sonntag aber sollen wir uns alle Arbeit aus Kopf schlagen. Kaiser Konstantin (gest. 331) hat Arbeit am Sonntag regelrecht verboten. Prof. Slenczka – seit 2006 Professor für Systematische Theologie in Berlin – nimmt das paradoxe Zusammentreffen des „Tages der Arbeit“ und des Tages der Arbeitsruhe im Jahre 2011 zum Anlass, um nach dem Sinn der staatlich garantierten Arbeitsruhe am Sonntag zu fragen. Ist der Schutz des Sonntags noch zeitgemäß, nachdem die von Konstantin begründete Verbindung von Staat und Christentum an ihr Ende gekommen ist? Ist die christliche Wertschätzung des Sonntags auch für Nichtchristen nachvollziehbar und in einem nichtchristlichen Staat wertvoll?
Wer gerne die Themen aus 2010 nachlesen möchte, kann das im Archiv hier tun.